Iron Ralfs Bericht vom Ironman Lanzarote

 

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Ralf Schmerer beendete den Ironman Lanzarote 2012 in 14:12:09 Stunden. Hier ist sein Bericht:

Für den 19.5.2012 hatte ich mir ein richtiges Brett an Wettkampf vorgenommen. Nach meinem passablen Finish bei meiner Langdistanzpremiere in Regensburg, wollte ich etwas Ausgefallenes machen. So zog es mich zum Ursprung des europäischen Ironman nach Lanzarote. Ich wusste, dass dieser Wettkampf als schwerster Ironman der Welt gilt, doch größere Gedanken machte ich mir wie immer nicht 😉 Training, hinfahren, 12 Stunden abliefern und heim.

Der Plan war schnell gemacht: Sieben Monate diszipliniert sein, im Schnitt zehn Stunden Training, Anfang November eine Woche Urlaubsbesichtigung in Lanza und Ende März ein Trainingslager in den Kassler Bergen. Mutter, Schwester, Freundin und Kumpel waren direkt eingespannt und so war relativ schnell alles in trockenen Tüchern. Um es kurz zu machen, bis zum Rennmorgen verlief alles reibungslos. Nicht verletzt, alle Pläne gut durchgezogen, Material stimmt, Kopf auch, ich war bestens getapert und bereit zu allem (dachte ich zumindest).

Puerto del Carmen, 6:45 Uhr, 19.5.2012: Frisch in den Neo eingepackt stehe ich am Start und schaue aufs ruhige Meer. Die Stimmung ist super, die Fans machen schon riesig Stimmung und auch die Athleten um mich herum sind wahnsinnig nett. Mit viel Angst im Blut ging es dann ab ins Meer. Am Anfang war die Wühlerei wesentlich schlimmer als in Regensburg, doch ich kam halbwegs bis zur ersten Boje ohne schwerere Behinderungen auf mich zu nehmen. Der Rest lief routiniert ab. Erste Runde in 31 hoch, die zweite in 32, Schwimmzeit von 1:04. Mit neuer Personal Best ging es also aufs Rad.

Mirador del Haria, gegen 14 Uhr, 19.5.2012: Als ich nach fast 100 Kilometern den Mirador del Haria hochstampfe bin ich schon komplett gerädert. Bisher bin ich ganz gut durchgekommen, konnte in den Flachstücken etwas Druck machen und war bergauf relativ locker gefahren, um mir hinten raus Kraft übrig zu lassen. Doch Kilometer 90 bis 110 haben mich einsehen lassen dass der Ironman Lanzarote im Gegensatz zu Regensburg ein himmelweiter Unterschied ist- In die harte Richtung.

Der Mirador del Haria zog sich schon fast 7 Kilometer steil bergan, die Sonne brannte schon knackig und es sollte noch der härteste Anstieg kommen. Am Mirador del Rio angekommen habe ich mich gefühlt wie ein ausgewrungener Waschlappen. Andere Athleten um mich herum haben ihr Rad geschoben und mein Tacho zeigte mehrmals unter 5 km/h an. Zick zack die Straße hoch. Irgendwie habe ich mich wie bei der Tour de France gefühlt. Ich war happy, stolz hier zu sein, genoss den tollen Ausblick aufs Meer und fragte mich nun doch einfach nur, wie das wohl noch so weitergehen sollte. Nicht nur die Berge machten mich mürbe, die waren ja noch im 8 km/h Schnitt hochzukurbeln. Am schlimmsten waren die Straßenbeläge, die mich kilometerlang durchrüttelten und wie eine Rüttelplatte meinen ganzen Körper bearbeitet haben. Dass mein Rad ohne Schaden heil in T2 angekommen ist, ist ein Wunder 😀 und das ich dort nach 7:22 auch angerollert kam war irgendwie abgefahren. Ich war wieder ‘ne Stunde länger unterwegs als geplant, war komplett im Schlafmodus, meine Schulter und der Nacken schmerzten von der stundenlangen Rüttelei und mein Magen fing schon langsam an, darauf hinzudeuten dass er kein Bock mehr hatte. Und im Nachhinein konnte ich sogar feststellen, dass meine Radzeit nicht schlecht war sondern dem soliden Durchschnitt entsprach- Mama mia ist das bekloppt 😀 ! Wahnsinnig geholfen haben mir meine vier Supporter an der Strecke, die mir neuen Mut gegeben haben als ich sie passiert habe und ich habe mich jedes Mal riesig gefreut wusste ich doch, dass sie bald kommen sollten.

Puerto del Carmen, 21:12, 19.5.2012: Es ist geschafft. Fünfeinhalb lange, zehrende, zermürbende Stunden war ich nun an der Promenade unterwegs. Meine kompletten Arme und Beine waren vom Sonnenbrand gezeichnet, trotz dickem Eincremen durch die Volunteers, meinen Kopf konnte ich zu dem Zeitpunkt kaum noch gerade halten. Ich war froh, dass er nicht noch runtergefallen ist vom Hals. Die ersten 10 Kilometer war ich noch im geplanten 5:40er Schnitt unterwegs. Muskulär erholte ich mich grade und auch mein Rücken machte zu dem Zeitpunkt noch mit. Nur mein Magen wollte so gar nicht mehr. Krämpfe und zweimaliges Übergeben haben mich bei Kilometer 11 fast zum Aufgeben gezwungen. Ich war zwischenzeitlich komplett konsterniert und fragte mich nur noch, was hier vor sich ging. Bisher habe ich immer gesagt JEDER! Kann einen Ironman machen. Und dabei bleibe ich mit einer Ausnahme: Lanzarote. Hier habe ich zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, dass es eventuell von der reinen Fitness einfach nicht reichen kann und das hat mir unterwegs die Augen geöffnet. Ich habe Respekt und Demut vor diesem Rennen gelernt, leider durch Schmerzen. Als bei Kilometer 15 meine Family stand, musste ich wohl übel ausgesehen haben. Sie haben sehr erschrocken geschaut. Doch Ihnen ist es auch zu verdanken, dass an Aufgeben einfach nicht zu denken war. Kilometer für Kilometer ging es nur noch darum, sich weiterzuschleppen. Mein 6 km/h Laufschritt war wenigstens Zuschauerfreundlich– konnte meine Freundin mich doch mit Flip Flops knapp 10 Kilometer in Sicherheitsabstand beobachten und mit walken, wie ich im Nachhinein erfuhr. Im Endeffekt gibt es für mich nur eines zu sagen: Das war das geilste Rennen das ich in meiner jungen Sportlerlaufbahn gemacht habe, ich werde sicherlich wiederkommen, habe ich doch mit dieser Insel noch eine Rechnung offen die mich so hart an alle meine körperlichen Grenzen hat gehen lassen. Allerdings muss sie noch ein paar Jahre auf die Revanche warten. Jedem der „echten“ Triathlon erleben will abseits von Drafting, ellenlangem Rollen im Aerolenker und Kampf um jede Sekunde kann ich dieses Rennen nur wärmstens empfehlen. Nirgends habe ich so herzliche Organisatoren, Fans und Helfer erlebt. Nirgendwo hatte ich mehr das Gefühl, ein Ironman zu sein und die Natur bezwungen zu haben und ich glaube nirgends kann man stolzer sein, einfach mal nur zu Finishen.

 

Gruß Ralf

 

P.S. Das Versprechen, dass ich meiner Freundin bei Kilometer 35 beim Laufen gegeben habe, dass ich bis ich 28 bin keine Langdistanz mehr mache ist natürlich längst revidiert. Im Juli werden die Planungen für 2013 gemacht, inkl. Trainingslager Lanzarote. Merkt es euch vor!!!

 

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  • Frauen 5/20/2.5
  • Männer 5/20/2.5
  • Jugend weibl. 2/10/2
  • Jugend männl. 2/10/2
RangVornameNachnameZeitRun1Wechsel1BikeWechsel2Run2
1VioletaMüller1:17:2600:23:47.600:01:06.4500:39:29.600:01:00.8100:12:00.9
RangVornameNachnameGesamtzeitRun1Wechsel1BikeWechsel2Run2VereinVersuchsdatum
1CasparApel00:59:45.700:18.10.800:00:18.4400:31:55.500:00:21.0100:08:59.85WVC Kassel20.02.2021
2SebastianGrassewitz01.03:29.000:17:30.000:00:14.000:34:47.000:00:10.000:10:39.0WVC Kassel23.02.2021
3MartinBussas01:11:52.000:21:1700:00:3500:38:0800:01:1100:10:41WVC Kassel13.02.2021
4NicholasKehe01:11:52.800:23:31.300:00:20.300:36:00.700:00:27.700:11:32.8WVC Kassel18.02.2021
5NicholasKehe01:16:30.000:25:3900:00:4800:37:1700:00:2400:12:22WVC Kassel06.02.2021
RangVornameNachnameGesamtzeitRun1Wechsel1BikeWechsel2Run2Versuchsdatum
1LenaRaschbichler00:48:05.200:11:39.000:00:0823.14.300:00:1100:12:52.923.02.2021
RangVornameNachnameGesamtzeitRun1Wechsel1BikeWechsel2Run2
1BosseNiemetz00:39:14.600:07:46.5400:00:24.1500:22:24.500:00:20.000:08:19.36
2HaukeNiemetz00:42:57.700:08:41.5900:00:13.6300:24:55.800:00:08.6200:08:58.09